Der Musikmarkt im Wandel der Zeiten

Die Lektüre dieses Artikels ist für Leute, die mit der Musik als Kunstform nicht wirklich etwas am Hut haben und mit dem Sound lediglich die Potenz ihrer Anlage (als Schwanzlängen- oder Tittengrößenvergleich) demonstrieren wollen, nicht zu empfehlen. Wer jedoch wirklich etwas von Musik versteht – und ich meine Musik und nicht »Sound«, der wird mir Recht geben. Die folgenden Betrachtungen sind jedenfalls rein subjektiv und stellen meine ganz persönliche Meinung dar.

Musik ist eine Kunst.
Kunst kommt von Können
Können kommt von viel,
sehr viel Übung.

Ich kann mich noch lebhaft an die Zeit erinnern, als es noch keine ausgefeilten Möglichkeiten gab, eine eingespielte Aufnahme zu ändern. Damals wurde im Studio tatsächlich »live und unplugged« gespielt. Die gesamte Band war im Studio versammelt und hat zusammen gespielt. Das wurde genau so aufgenommen. Danach kam der Sänger ins Studio und hat zur Aufnahme gesungen. Das wurde auf dasselbe Band auf einer zweiten Spur aufgenommen. Zum Abschluss wurde Beides so eingepegelt, dass man Band und Sänger hören konnte. Die so erstellte Aufnahme wurde 1:1 auf Schallplatten gepresst und vermarktet. Die Produktionszeit für eine komplette LP (Eine LP ist eine Schallplatte mit ca. 40 bis 50 Minuten Spielzeit) waren in der Regel kaum länger als eine Woche vom ersten Termin im Studio bis zum Vorliegen der fertigen Matrize zum Pressen der Platten.

Erst in den 70er Jahren kamen langsam Möglichkeiten auf, die eingespielten Aufnahmen nachträglich zu verändern. Zuerst wurde nur an der Klangfarbe gefeilt, später konnte man auch Soundeffekte einfügen und seit Ende der 80er Jahre kann man auch falsche Töne nachträglich korrigieren. Seitdem ist populäre Musik nur noch Massenware und hat mit der Kunst, die Musik einmal war, nicht mehr viel gemeinsam.

Heute dauert die Produktion einer CD mehrere Monate, manch ein »Künstler« braucht dafür ein ganzes Jahr und was dabei herauskommt, ist oft nicht einmal des Anhörens wert, geschweige denn, gekauft zu werden. Wenn man mal genau hinhört, kann man erkennen, warum es heutzutage mehrere Monate dauert, bis ein Album fertig ist. Da müssen nicht nur nahezu alle Soundeffekte am Computer erstellt und angepasst werden, auch das, was der Vokalist abliefert, kann so nicht vermarktet werden. Viele falsche Töne müssen noch nachgepitchtPitchen (engl.): in der Tonhöhe anpassen und falsche Einsätze verschoben werden. Das ist aber Sache des Tontechnikers und nicht der »Musiker«; die haben mit ihrem Erfolg nichts zu tun.

Wer über ein geschultes Gehör verfügt, kann die nachgearbeiteten Stellen sogar noch auf der fertigen CD hören, für die breite Masse hingegen klingt es geil. Um so etwas effizient vermarkten zu können, ist natürlich noch ein aufwändiges Video erforderlich, für dessen Dreharbeiten noch mal zwei bis sechs Monate veranschlagt werden müssen.

Ein Musiker muss heutzutage rebellisch oder sexy sein, um Erfolg zu haben und muss ein »Rundum-Paket« mit vielen Sinneseindrücken abliefern; quasi als Beschäftigung fürs Gehirn, weil sonst einige Zuhörer auf die Idee kommen könnten, mal genauer hinzuhören und den musikalischen Wert der Darbietung zu hinterfragen. Früher war Musik originell, ernsthaft und doch witzig. Sie regte zum Schwelgen und Träumen an und bediente eine große Bandbreite von Gefühlen. Was ist aus Qualitäten wie Melodie, Harmonie, Kontrapunkt, Improvisation und der Poesie geworden?

„Knall diese Schlampe...”So etwas gibt es tatsächlich.
Der Refrain zum Mitgröhlen lautet:
Kanll diese Schlampe
die ganze Nacht,
knall sie die ganze Nacht!

Das wird acht Mal wiederholt – schon ist eine Minute Sound fertig.
Das ist heute Kunst!

Dieses »Kunstwerk« von Felix KrullDer Künstlername Felix Krull ist der Name des Protagonisten in einem Roman von Thomas Mann.
Über den Rapper ist nichts Konkretes bekannt.
wurde in einer Folge von »Two and a Half Men«Link zum entsprechenden Video auf youtube
peinlich-derbe Situationskomik
zur Belustigung verwendet.

Heute finden es die Konsumenten geil, wenn sie von ihrem Smartphone in Telefonqualität die Worte „Knall diese Schlampe...” hören.

Einen großen Vorteil hat die moderne Technik jedenfalls: Durch sie ist es möglich geworden, aus dem Geheule eines völlig unmusikalischen Menschen eine preisgekrönte Aufnahme zu machen. Wer heute ganz groß rauskommen will, der muss nur mit einem Computer umgehen können und die richtigen Leute kennen. Talent ist völlig überflüssig geworden und dieser Trend wird sich noch fortsetzen. Alles ist nur noch Blendwerk ohne jeden künstlerischen Anspruch und dient ausschließlich dem Zweck, den Konsumenten das Geld aus der Tasche zu ziehen.

Unterdessen beklagt sich die Musikindustrie darüber, dass ihr durch die vielen Raubkopien aus dem Internet Verluste in Milliardenhöhe entstehen. Das ist aber so nicht richtig. Die Verluste kommen eher daher, dass kein Mensch bereit ist für das Getöse Geld auszugeben.

Natürlich ist nicht alles Dreck was stinkt. Ab und zu erscheint mal wieder ein Juwel, das mit einer hervorragenden Komposition und perfektem Vortrag von wahrer Kunstfertigkeit zeugt. Immer wieder mal tauchen echte Künstler auf, die richtig gut singen können und Musiker, die ihr Instrument handwerklich und virtuos beherrschen. Schade nur, dass diese Kleinodien in der Masse von Müll total untergehen.

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